Sarah Springman

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Sarah M. Springman absolvierte an der University of Cambridge ein ingenieurwissenschaftliches Studium in Bodenmechanik. Sie wechselte in die Industrie und arbeitete für das Ingenieurbüro Alexander Gibb and Partners an verschiedenen geotechnischen Projekten in England, Australien und auf den Fidschi-Inseln. Sie kehrte anschließend an die Universität Cambridge zurück, wo sie 1989 promovierte und ihre akademische Laufbahn als Dozentin in Bodenmechanik fortsetzte. Seit 1997 ist sie ordentliche Professorin für Geotechnik an der ETH Zürich. Sie war u.a. mehrere Jahre Mitglied der nationalen Plattform für Naturgefahren (PLANAT), Mitglied im Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat und Mitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW). 2013 und 2014 war sie stellvertretende Vorsteherin des Departements Bau, Umwelt und Geomatik. Seit Januar 2015 ist sie Rektorin der ETH Zürich. Ab Februar 2022 wird sie als Direktorin dem St. Hilda´s College der Universität Oxford vorstehen.

Das Projekt

Monasavu Staudamm auf Viti Levu, Fidschi

Der Monasavu Damm ist ein 85 Meter hoher Damm aus Felsgestein und Erde. Er liegt etwa in der Mitte von Fidschis Hauptinsel Viti Levu, direkt stromaufwärts vom 130 Meter hohen Monasavu Wasserfall.

Das Wasser wird von einem durch eine Felsgesteinsschüttung stabilisierten Tonkern aus örtlich anstehendem, verwittertem Sandstein zurückgehalten. Die anfallende hohe Regenmenge in der Region von 5.000 mm im Jahr und der Ton, der halloysitische Mineralien enthielt und einen Wassergehalt von bis zu 100 Prozent (halb Wasser, halb Boden) hatte, erforderte, sich auf neue Verfahren der Verdichtung einzulassen. Es war zudem nicht möglich, dem Tonkern irgendeine Scherfestigkeit zuzusprechen, sodass der nur als wasserdichte Barriere wirkte, um das Ausfließen des Wassers aus dem Reservoir zu verhindern. Auf dem freigelegten Felsgrund wurde zunächst Massenbeton aufgebracht, um einen sprungartigen Übergang zwischen Felsen und Ton zu vermeiden. Zwischen den Fels- und Tonschichten wurde eine Serie von Filtern eingebracht, um eine interne Erosion der Tonpartikel in die Hohlräume zwischen den Felsblöcken zu verhindern. Nachdem der Ton zwischen den beiden stromauf- und abwärts gelegenen Sandschichten eingebracht war, wurden jeweils drei Tonschichten hinter jeder Schicht aus Filtermaterial aufgebracht und mit Hilfe einer 12 Tonnen Vibrationswalze verdichtet. Eine zentrale Rolle bei dem Bau des Dammes spielte die Qualitätskontrolle des eingebauten Materials. Dazu wurden für die Messung der Dichte, des Wassergehaltes, des Atterbergkriteriums (Zustandsgrenze) des Tons und für die Ermittlung der Korngrößenverteilung von Sand und Kies, Proben entnommen. Das Einbringen von Setzungsmessern, Piezometerrohren und Erddruckmessern erzeugte instrumentierte Querschnitte, die dafür genutzt wurden, das Verhalten des Dammes zu beobachten.

Das Projekt in Zahlen

Ort Viti Levu, Fidschi
Bauherr*in Fidschi Elektrizitätsbehörde
Baubeginn 1978
Eröffnung 1983
Höhe 85 m
Länge 200 m

Porträt

Ausdauerndes Engagement

Anerkannte Wissenschaftlerin und Spitzensportlerin – Sarah Springman gelingt beides und ist damit Vorbild für die Förderung sowohl des wissenschaftlichen als auch des sportlichen Nachwuchses. Fasziniert kehrt die physikinteressierte 15-jährige Schülerin von einem Orientierungsbesuch im Marconi-Elliott Avionics System Ltd, einem Entwickler elektronischer Fluginstrumente in Großbritannien, zurück und beschließt, eine Ingenieurskarriere zu verfolgen.

Ich wollte etwas bauen, konstruktiv wirken. Ich bin Optimistin, die immer versucht, die Lebensverhältnisse zu verbessern und Dinge zu ermöglichen.

Springman kommt 1975 an die Universität Cambridge, eine Zeit, in der immer mehr Colleges ihre Tore für Frauen öffnen. Trotzdem sind es im Ingenieurwesen in ihrem Jahrgang nur 15 Studentinnen von 250 Studierenden. Ihre Lust zu Reisen führt sie gleich zu Beginn ihrer Berufskarriere nach Australien, sie arbeitet bei Alexander Gibb Australia in Adelaide an einem Kraftwerk mit und sammelt in Canberra ihre ersten Erfahrungen mit dem Dammbau. Als 23-jährige wird ihr 1979 die Qualitätskontrolle am Bau des Monasavu Erddamm auf der Fidschi Insel Viti Levu übertragen. Im Gesamtteam aus Fidschianern, Experten aus Großbritannien, Australien und Neuseeland ist sie die einzige Frau, was für Aufregung sorgt, aber zu keinerlei Problemen führt. Nach eineinhalb Jahren ist Springmans Arbeit am Damm abgeschlossen. Sie bleibt auf den Fidschi Inseln, wird vom Public-Works-Department mit der Ausrüstung des geotechnischen Labors in der Hauptstadt Suva beauftragt und besucht die Inselgruppe für Standortuntersuchungen. Sie beginnt 1981 Squash zu spielen, tritt für die Fidschi Inseln bei den Südpazifischen Meisterschaften an und gewinnt mit ihrem Team. Der Sport begleitet ihre Karriere als Bauingenieurin von nun an. Zwischen 1984 und 1993 repräsentiert sie Großbritannien als Triathletin und wird 1985, 1986 und 1988 Europameisterin. Insgesamt gewinnt sie bei Europameisterschaften 21 Medaillen im Triathlon und Duathlon.

Springman sagt, in ihrer Karriere habe es immer wieder jemanden gegeben, der weiter sehen konnte als sie und ihr Möglichkeiten aufgezeigt hat, um «ins Rennen zu gehen und erfolgreich zu sein». So holt sie Professor Andrew Schofield 1983 zurück an die Universität Cambridge und verschafft ihr ein Stipendium als MPhil Studentin. 1989 erhält sie ihren PhD in Bodenmechanik am Magdalene College der Universität Camebridge. Ihre Tätigkeiten in Forschung und Lehre werden international wahrgenommen und auf Empfehlung wird sie 1995 eingeladen, sich als Professorin für Geotechnik an der ETH Zürich zu bewerben. Mit Respekt vor der Herausforderung einer fremden Sprache und der neuen Kultur und ebenso großer Begeisterung für das, was die ETH Zürich an Möglichkeiten bietet, geht Springman, wie immer gut vorbereitet «ins Rennen» und ist erfolgreich. Und auch hier gilt ihr Engagement nicht nur den Studierenden und als Rektorin den Professor*innen, sondern auch den Sportler*innen. Sie setzt sich an der ETH Zürich dafür ein, dass neben dem Beruf auch die Familie eine Chance hat. Ein Punkt der, so Springman, immer noch ein Hauptproblem der unterrepräsentierten Frauen in der Profession ist. Ein Kompliment macht sie den Schweizer Firmen, die vielfältige Karrieremöglichkeiten anbieten, so dass sowohl Väter als auch Mütter eine Balance zwischen Beruf und Familie finden können.

Die Unternehmen wissen, dass sie die jungen Frauen und Männer weiter ausbilden müssen, sie müssen sie begleiten. Es reicht nicht, zu rekrutieren, sie müssen sie behalten und fördern.

Springman weiß aus eigener Erfahrung, wie hilfreich Unterstützung ist, um sich erfolgreich durch die Herausforderungen einer Karriere im Ingenieurwesen zu bewegen, und wie wichtig es ist, neben Talent, klaren Zielsetzungen, diszipliniertem Arbeiten und dem Mut, Gelegenheiten zu ergreifen, Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen. Springman ist auch im Vorbild sein ein Vorbild.

 

Im Gespräch mit Sarah Springman